In Deutschland beginnt die Zeckensaison bereits im März und reicht bis November. Dieser Leitfaden zeigt, wie Hundehalter ihre Vierbeiner von Mai bis Juli gezielt vor Borreliose, Anaplasmose und Babesiose schützen können.
Wichtige Punkte für Hundehalter in Deutschland
- Die Zeckensaison in Deutschland erstreckt sich von März bis November, mit einer Hochphase von Mai bis Juli, wenn Temperaturen ab 7 °C die Aktivität des Gemeinen Holzbocks (Ixodes ricinus) stark ansteigen lassen.
- Neben Borreliose und Anaplasmose gewinnt die canine Babesiose durch die Ausbreitung der Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) in Deutschland zunehmend an Bedeutung.
- Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut stuft die Borreliose-Impfung als Non-Core-Impfung ein, empfiehlt sie jedoch für Hunde mit hohem Expositionsrisiko.
- Zeckenschutzmittel sind in Deutschland teils rezeptpflichtig (Isoxazoline), teils frei verkäuflich (Spot-on-Präparate, Halsbänder). ESCCAP-Leitlinien empfehlen ganzjährigen Schutz.
- Hundehalter sollten die Hundehalterhaftpflichtversicherung prüfen, da Behandlungskosten bei Zeckenkrankheiten mehrere hundert Euro betragen können.
Warum die Zeckensaison in Deutschland besonders lang ist
Das kontinentale Klima Deutschlands mit milden Frühjahren und feuchten Sommern bietet ideale Bedingungen für Zecken. Während der globale Fokus oft auf Mai bis Juli liegt, zeigen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) und veterinärparasitologischer Studien, dass Zecken in Deutschland bereits ab Temperaturen von etwa 7 °C aktiv werden. Das bedeutet: In milden Wintern können Zecken sogar im Februar oder Dezember auftreten. Die Kernmonate Mai bis Juli stellen dennoch die höchste Aktivitätsphase dar, da Nymphen und adulte Zecken gleichzeitig auf Wirtssuche gehen.
Für Hundehalter, die ihren Hund regelmäßig in Parks, Wäldern oder auf Wiesen ausführen, ist diese Phase besonders kritisch. In Deutschland, wo Hunde in vielen Restaurants, Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln willkommen sind, verbringen Vierbeiner überdurchschnittlich viel Zeit in potenziellen Zeckenhabitaten.
Die wichtigsten Zeckenarten in Deutschland
Zwei Zeckenarten sind für Hundehalter in Deutschland besonders relevant:
Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus)
Die mit Abstand häufigste Zeckenart in Deutschland kommt flächendeckend in allen Bundesländern vor, von der Nordseeküste bis zu den bayerischen Alpen. Ixodes ricinus ist der Hauptüberträger von Borrelia burgdorferi sensu lato (Borreliose) und Anaplasma phagocytophilum (Anaplasmose). Typische Habitate sind Laubmischwälder, Waldränder, hohes Gras und feuchte Wiesen.
Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus)
Diese größere, auffällig gemusterte Zecke breitet sich in Deutschland seit Jahren aus. Ursprünglich vor allem in den Auwäldern Süd- und Ostdeutschlands verbreitet (Oberrheingraben, Brandenburg, Sachsen), wird sie mittlerweile auch in Norddeutschland nachgewiesen. Dermacentor reticulatus überträgt Babesia canis, den Erreger der caninen Babesiose, die ohne Behandlung tödlich verlaufen kann. Besonders bemerkenswert: Die Auwaldzecke ist bereits bei niedrigeren Temperaturen aktiv als der Gemeine Holzbock und kann auch im Spätherbst und Winter zustechen.
Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus)
In Deutschland eher selten, kann die Braune Hundezecke als Reisemitbringsel aus dem Mittelmeerraum eingeschleppt werden. Sie überträgt Ehrlichia canis und kann sich in beheizten Wohnungen ganzjährig vermehren. Hundehalter, die mit ihrem Hund in Südeuropa Urlaub machen, sollten besonders wachsam sein.
Zeckenübertragene Krankheiten mit Relevanz für Deutschland
Borreliose (Lyme-Borreliose)
Die Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung bei Hunden in Deutschland. Je nach Region sind laut parasitologischen Untersuchungen etwa 5 bis 35 Prozent der Ixodes-ricinus-Zecken mit Borrelien infiziert. Die Symptome können subtil beginnen:
- Wechselnde Lahmheit (episodisch, oft von Bein zu Bein springend)
- Geschwollene, warme Gelenke
- Fieber, Lethargie und Appetitlosigkeit
- In schweren Fällen: Lyme-Nephritis (Nierenentzündung), die besonders bei Labrador Retrievern, Golden Retrievern und Berner Sennenhunden beschrieben wird
Wichtig: Hunde zeigen typischerweise nicht die für Menschen charakteristische Wanderröte. Eine Übertragung der Borrelien erfolgt in der Regel erst nach 16 bis 24 Stunden Saugakt, was die Bedeutung täglicher Zeckenkontrollen unterstreicht.
Anaplasmose
Ebenfalls durch den Gemeinen Holzbock übertragen, verursacht Anaplasma phagocytophilum bei Hunden:
- Hohes Fieber und ausgeprägte Lethargie
- Gelenkschmerzen und wechselnde Lahmheit
- Verminderter Appetit
- Labordiagnostisch: Thrombozytopenie (verminderte Blutplättchen) und teils Leukopenie
Babesiose
Die canine Babesiose ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Babesia canis zerstört rote Blutkörperchen und kann innerhalb weniger Tage lebensbedrohlich werden. Symptome umfassen:
- Hohes Fieber (über 40 °C)
- Dunkler, rotbrauner bis kaffeefarbener Urin
- Blasse oder gelblich verfärbte Schleimhäute
- Rasch fortschreitende Schwäche und Apathie
Bei Verdacht auf Babesiose ist sofortige tierärztliche Versorgung erforderlich.
Tierärztlicher Notdienst
Rufen Sie den tierärztlichen Notdienst Ihrer Region an oder fahren Sie zur nächsten Tierklinik mit 24-Stunden-Notaufnahme.
In Deutschland organisiert jede Tierärztekammer einen regionalen Notdienst. Ihr Tierarzt informiert Sie über die Bereitschaftsnummer.
Prävention: Welche Methoden in Deutschland verfügbar sind
Die European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP) empfiehlt für Hunde in Deutschland einen ganzjährigen Zeckenschutz. Die Wahl der Methode hängt vom Lebensstil des Hundes, vom Haushalt (Katzen sind gegenüber bestimmten Wirkstoffen hochempfindlich) und von individuellen Gesundheitsfaktoren ab.
Orale Kautabletten (rezeptpflichtig)
Wirkstoffe der Isoxazolin-Klasse (Fluralaner, Afoxolaner, Sarolaner, Lotilaner) sind in Deutschland ausschließlich über tierärztliche Praxen erhältlich. Die Kosten liegen typischerweise zwischen 15 € und 35 € pro Dosis, abhängig vom Körpergewicht des Hundes und der Wirkdauer (monatlich oder alle 12 Wochen).
- Vorteile: Nicht durch Baden oder Schwimmen beeinträchtigt, keine Rückstände im Fell, gute Akzeptanz bei den meisten Hunden
- Hinweis: Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat für die gesamte Isoxazolin-Klasse einen Warnhinweis bezüglich möglicher neurologischer Nebenwirkungen (Krampfanfälle, Ataxie) herausgegeben. Bei Hunden mit Epilepsie-Vorgeschichte ist besondere Vorsicht geboten.
- Wirkprinzip: Zecken werden erst nach dem Stich abgetötet, eine repellierende Wirkung besteht nicht
Topische Spot-on-Präparate
Spot-on-Produkte mit Wirkstoffen wie Fipronil, Permethrin oder Kombinationspräparaten sind in Deutschland teilweise frei verkäuflich in Apotheken und Tierbedarfsgeschäften erhältlich. Kosten pro Anwendung liegen bei etwa 5 € bis 20 €.
- Vorteile: Manche Formulierungen wirken repellierend (Zecken werden abgewehrt, bevor sie stechen), breite Verfügbarkeit
- Nachteile: Wirksamkeit kann durch häufiges Baden oder Schwimmen verringert werden, öliger Rückstand im Fell möglich
- Warnung: Permethrinhaltige Produkte sind für Katzen hochgiftig. In Mehrtier-Haushalten mit Katzen dürfen diese Produkte beim Hund nur unter strikter Trennung angewendet werden.
Zeckenhalsbänder
Halsbänder mit Langzeitwirkung (bis zu 8 Monate) setzen Wirkstoffe wie Imidacloprid und Flumethrin kontinuierlich frei. Diese Halsbänder sind in Deutschland ohne Rezept in Tierarztpraxen und Apotheken erhältlich und kosten typischerweise zwischen 25 € und 45 €.
- Vorteile: Langanhaltender Schutz, repellierende und abtötende Wirkung, wartungsarm
- Nachteile: Muss korrekt sitzen (zwei Finger Abstand), potenzielle Hautreizungen, Risiko wenn andere Tiere am Halsband kauen
In Hochrisikogebieten empfehlen Fachtierärzte für Parasitologie teils eine Kombination aus oraler Prophylaxe und repellierendem Halsband. Eine solche Kombination sollte stets in Absprache mit der behandelnden Tierarztpraxis erfolgen.
Impfung gegen Borreliose: Empfehlung der StIKo Vet
Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut klassifiziert die Borreliose-Impfung als Non-Core-Impfung. Eine Empfehlung besteht für Hunde mit erhöhtem Expositionsrisiko, also Hunde, die regelmäßig in Wäldern, auf Wiesen oder in bekannten Endemiegebieten unterwegs sind. In Deutschland sind Impfstoffe verfügbar, die auf europäische Borrelia-Spezies (insbesondere B. burgdorferi sensu stricto und B. garinii) abgestimmt sind.
Das Impfprotokoll umfasst eine Grundimmunisierung mit zwei Dosen im Abstand von 3 bis 5 Wochen, idealerweise vor Beginn der Zeckensaison, gefolgt von jährlichen Auffrischungen. Für Babesiose und Anaplasmose gibt es Stand 2026 in Deutschland keine zugelassenen Impfstoffe.
Monatlicher Aktionsplan: Mai bis Juli in Deutschland
Mai: Saisonstart und Bestandsaufnahme
- Zeckenschutzvorrat für die gesamte Saison sicherstellen, um Lücken in der Abdeckung zu vermeiden
- Tierärztlichen Gesundheitscheck mit Zeckenkrankheiten-Screening (z. B. SNAP 4Dx Plus) vereinbaren
- Borreliose-Impfung beginnen oder Auffrischung durchführen lassen, falls indiziert
- Garten vorbereiten: Rasen kurz halten, Laub entfernen, Hecken am Gartenrand zurückschneiden
- Tägliche Zeckenkontrollen nach jedem Spaziergang etablieren
Juni: Höchste Wachsamkeit
- Monatliche Prophylaxe termingerecht verabreichen (Erinnerung im Smartphone einrichten)
- Zeckenkontrollen intensivieren, besonders nach Wald- und Wiesenspaziergängen
- Hundebetten und Transportboxen wöchentlich reinigen und auf Zecken kontrollieren
- Auf Frühsymptome achten: unerklärliche Lahmheit, Fieber, Lethargie, Appetitveränderungen
- Bei Reisen innerhalb Deutschlands: regionale Zeckenaktivität prüfen (Süddeutschland und Brandenburg gelten als besonders belastet)
Juli: Konsequenter Schutz und Sommerpflege
- Nächste Dosis des Prophylaxemittels pünktlich verabreichen
- Bei Halsbandnutzung: Sitz, Zustand und Wirkdauer überprüfen
- Gartenmanagement fortführen
- Bei Auffälligkeiten einen tierärztlichen Sommerkontrolltermin wahrnehmen
- Spaziergänge in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegen (reduziert Hitzebelastung und fällt mit erhöhter Zeckenaktivität in Bodennähe zusammen)
Tägliche Zeckenkontrolle: So geht es richtig
Nach jedem Aufenthalt im Freien sollte der gesamte Hundekörper systematisch abgetastet werden. Besonders gefährdete Stellen sind:
- In und hinter den Ohren
- Rund um Augen und Fang
- Unter dem Halsband
- Zwischen den Zehen und an den Pfotenballen
- In der Leisten- und Achselregion
- An der Schwanzunterseite
Zur Entfernung eignen sich Zeckenzangen, Zeckenkarten oder feine Pinzetten. Die Zecke wird hautnah gegriffen und gleichmäßig, ohne Drehbewegung, herausgezogen. Keinesfalls sollten Hausmittel wie Öl, Klebstoff oder Nagellack auf die Zecke aufgetragen werden, da dies die Erregerübertragung beschleunigen kann.
Wann ist ein Tierarztbesuch dringend erforderlich?
Folgende Warnsignale erfordern eine zeitnahe tierärztliche Untersuchung:
- Wechselnde Lahmheit oder plötzliche Bewegungsunlust
- Fieber (Normaltemperatur beim Hund: 38,0 bis 39,0 °C)
- Geschwollene oder schmerzhafte Gelenke
- Unerklärliches Nasenbluten, Petechien oder blasse Schleimhäute
- Appetitverlust über mehr als 24 Stunden
- Dunkel verfärbter Urin (Hinweis auf Babesiose oder Nierenprobleme)
- Ausgeprägte Apathie oder ungewöhnliches Verhalten
Die Standardtherapie bei Borreliose und Anaplasmose erfolgt mit Doxycyclin über mehrere Wochen. Bei Babesiose kommen spezifische Antiprotozoika zum Einsatz. Frühzeitige Diagnose und Behandlung verbessern die Prognose erheblich.
Tierärztlicher Notdienst
Rufen Sie den tierärztlichen Notdienst Ihrer Region an oder fahren Sie zur nächsten Tierklinik mit 24-Stunden-Notaufnahme.
In Deutschland organisiert jede Tierärztekammer einen regionalen Notdienst. Ihr Tierarzt informiert Sie über die Bereitschaftsnummer.
Kosten und Versicherung
Die Behandlung von Zeckenkrankheiten kann in Deutschland je nach Schweregrad zwischen 200 € und über 1.000 € kosten (Diagnostik, Laboruntersuchungen, Medikamente, Nachkontrollen). Eine Hundekrankenversicherung oder zumindest eine OP-Versicherung kann diese Kosten abfedern. Zudem ist in den meisten Bundesländern eine Hundehalterhaftpflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben. Hundehalter sollten prüfen, ob ihre bestehende Versicherung auch Folgekosten durch Parasitenerkrankungen abdeckt.
Fazit
In Deutschland sind Zeckenkrankheiten eine reale und wachsende Bedrohung für Hunde. Die Ausbreitung der Auwaldzecke und die steigende Zahl autochthoner Babesiose-Fälle unterstreichen die Notwendigkeit eines konsequenten, ganzjährigen Zeckenschutzes. Die Kombination aus chemischer Prophylaxe, täglichen Zeckenkontrollen, Umgebungsmanagement und gegebenenfalls Impfung bietet den zuverlässigsten Schutz. Die Zusammenarbeit mit einer erfahrenen Tierarztpraxis, die die regionalen Zeckenrisiken kennt, ist dabei entscheidend. Zeckenschutz endet nicht im Juli: In vielen Regionen Deutschlands bleiben Zecken bis weit in den November aktiv.
Häufig gestellte Fragen
Wann beginnt die Zeckensaison in Deutschland? ↓
Welche Zeckenkrankheiten sind für Hunde in Deutschland besonders relevant? ↓
Ist die Borreliose-Impfung für Hunde in Deutschland empfohlen? ↓
Sind Zeckenschutzmittel für Hunde in Deutschland rezeptpflichtig? ↓
Was kostet die Behandlung einer Zeckenkrankheit beim Hund in Deutschland? ↓
Wie entferne ich eine Zecke beim Hund richtig? ↓
Lena Voss
Expertin für Tiergesundheit und Lifestyle
Praktikerin für Hundefitness und Wohlfühl-Coach – proaktive Gewohnheiten, die Haustiere länger gesünder halten.
Inhaltliche Offenlegung
Dieser Artikel wurde mithilfe modernster KI-Modelle unter menschlicher redaktioneller Aufsicht erstellt. Er dient ausschließlich zu Informations- und Unterhaltungszwecken und stellt keine tierärztliche Beratung dar. Konsultieren Sie immer einen lizenzierten Tierarzt für die spezifischen Gesundheitsbedürfnisse Ihres Haustieres. Erfahren Sie mehr über unseren Prozess.